KARIBU Kinderhilfe

Karibu

Mein erster Besuch im Zentrum Boma  vom 10. - 27. Mai 2010 – ein etwas anderer Reisebericht von Stiftungsrat Sepp Dietrich                                                                               


Ich beschränke mich bei meinen Ausführungen auf meine persönlich gemachten Erfahrungen und Erlebnisse. Sie sind daher in Auswahl und Wertung subjektiv gefärbt und nur bruchstückhaft.

In Dunkelheit landeten wir mit der KLM auf dem Kilimanjaro Airport. Zu unserer grossen Überraschung empfingen uns mehrere Schwestern und zahlreiche Kinder vom Zentrum Boma mit frischem Gesang und selbst gebastelten herzlichen „Willkomm-Plakaten“. Diese erste Begegnung war von solcher Herzlichkeit und Begeisterung, dass sie mit Worten nicht eingefangen werden kann. Dieser unbeschreibliche herzliche Empfang wurde bei unserer Ankunft beim Zentrum von den zurückgebliebenen Schwestern, Lehrer/innen und Kindern noch gesteigert...

Von der langen Reise doch etwas müde, suchten wir, nach einem Gespräch in kleinerem Kreis und einem einfachen Imbiss, bald die uns zugewiesenen „sogenannten Gästezimmer“ auf (ohne Trinkwasser, selten Wasser aus der Leitung, Strom war Mangelware, kaum Ablageflächen; am dritten Tag sprang aus meinem Rucksack zu meiner „Freude“ ein kleiner „mutiger“ Frosch...).

Ich war sehr gespannt auf den folgenden Tag und die Begegnungen mit den Kindern, den Schwestern, den Lehrkräften und den übrigen Mitarbeiter/innen des Zentrums.




Das Zentrum Boma untersteht der Obhut des Ordens „Sisters of our Lady of Kilimandjaro“ und wird geleitet von Schwester Benedicta, die sich für Schule, Heim und „ihre“ Kinder grenzenlos und uneigennützig bewundernswert einsetzt. Zur Zeit wohnen 215 behinderte Kinder (Stumme, Taube, Taubstumme, Blinde und Albinos das Heim. Viele sind auch Aidswaisen. In letzter Zeit suchen immer mehr Albinos (27) Zuflucht in „unserem“ Heim und besuchen die Schule im Zentrum. In Tansania, vor allem in der Umgebung von Mwanza, werden Albinos von organisierten Banden systematisch rücksichtslos und brutal ermordet, im Glauben, das Blut der Albinos enthalte „eine Zauberkraft“ und bringe Glück... Weil wir auch für die uns anvertrauten Albinos einen optimalen Schutz gewähren möchten, haben wir mit den Behörden in Mwanza den Kontakt gesucht und wollten ihre Erfahrungen kennenlernen und wissen, wie wir diese Kinder mit unseren Mitteln möglichst wirkungsvoll schützen können. Es fehlen uns zur Zeit nämlich schlichtweg das notwendige Personall und die entsprechenden Finanzen. Leider waren die Ratschläge der zuständigen Stellen aber sehr dürftig; diese schwierige Problematik also bleibt...


Gedanken zu Schule und Unterricht

Es war für mich beeindruckend, wie die behinderten Kinder differenziert, je nach Behinderung, von den Lehrkräften geführt und gefördert werden. Natürlich müssen alle im Alltag - im Unterricht und der Freizeit - die Gebärdensprache vollends beherrschen! Dass auch eine Lehrkraft stumm ist und eine andere gar blind, ist meines Erachtens für die Kinder ein besonderer Ansporn für ihr selbständiges, engagiertes Lernen. Die Schüler/innen folgten den Ausführungen der Lehrkräfte aufmerksam und interessiert bzw. arbeiteten - fast ausnahmslos - fleissig mit. (Als ehemaliger Lehrer und Ausbildner von künftigen Lehrern und Lehrerinnen musste man gerade zu neidisch werden!) Voller Bewunderung sah ich auch, mit welchen einfachen Lehrmittel zielgerichtet gearbeitet wurde. Viele Hilfsmittel bastelten die Lehrkräfte bzw. die Schwestern sogar selbst, womit gerade im Unterricht mit Blinden erstaunliche Resultate erzielt werden konnten. Vor dem Problem, was machen unsere Schüler/innen nach der obligatorischen Schulzeit, dürfen wir die Augen aber nicht verschliessen. Vielmehr müssen wir diese Problematik in nächster Zeit speziell angehen. Wäre vielleicht ein Bau einer einfachen Lehrwerkstätte ein gangbarer Weg?                                                                                                                                               


Gestaltung der Freizeit im Zentrum

Auch in der Freizeit, also in der Zeit ohne spezielle Aufsicht und Betreuung durch Erwachsene, ist mir aufgefallen, wie zuvorkommend und hilfsbereit diese behinderten Kinder miteinander umgehen: Da führt ein stummes Kind ein blindes „Gspänli“ zur Toilette, dort kommuniziert ein taubes Kind mittels Gebärdensprache mit einem stummen... Wer das Zentrum besucht, sieht sofort, wie die Erwachsenen untereinander, aber auch mit den Schüler/innen, rücksichtsvoll verkehren.  Die Schüler- und Schülerinnen selbst begegnen sich ebenfalls auffallend friedfertig und respektvoll. Alles läuft etwa so ab, wie man es sich in einer gut funktionierenden „Gross - Familie“wünscht, wo alle für einander sorgen und hängende Probleme gemeinsam miteinander angehen. Dieser friedliche Umgang war für mich wie ein Abbild einer (fast)„heilen Welt“.- Vielleicht kann die Realisierung des geplanten einfachen Sportplatzes zusätzlich einen Beitrag für das Zusammenleben bzw. das Zusammenspiel unserer behinderten Kinder bewirken.

Etwas weniger gefallen hat mir der Umgang der Bewohner des Zentrums mit Abfällen, und ich bedaure, dass während des Tages die Kinder nicht noch mehr für kleine Arbeiten für die Allgemeinheit eingesetzt werden...


Verbesserung der Infrastruktur bzw. wichtige Bauvorhaben

Guido Kümin und ich sind ja in erster Linie nach Tansania gereist, weil wir u.a. den Stand der eingeleiteten Bauvorhaben überprüfen wollten. Der Orden hat Schwester Euphrasia als direkte Kontaktperson für unsere Anliegen und als Projektleiterin eingesetzt. Für ihre umsichtigen Bemühungen gebührt ihr ein uneingeschränktes Lob.

Zur Zeit unseres Besuches hatte der dringende Ausbau der Toiletten für die 215 Kinder, die Renovation der Küche nach notwendigen hygienischen Richtlinien und der Innenausbau der Krankenabteilung erste Priorität. Während diese Vorhaben etwa im Zeitplan waren, mussten wir leider feststellen, dass die Bohrungen nach Trinkwasser noch keinen nennenswerten Erfolg „brachten“ und wir uns noch weiterhin damit beschäftigen müssen.

                                                                                         

Ich bin froh, dass wir während unseres Aufenthalts einige Vertreter/innen aus dem Rotarier Club von UsaRiver gewinnen konnten, welche die Bauarbeiten regelmässig überprüfen und wenn notwendig, vor Ort entsprechende Massnahmen ergreifen werden. Ein hehres Ziel der Entwicklungshilfe muss für mich nämlich immer sein, dass die Hilfe, ob finanziell oder materiell, vollumfänglich am richtigen Ort und bei jenen Leuten ankommt, die wirklich der Hilfe bedürftig sind. Und bei meinem Besuch im Zentrum Boma konnte ich mit Befriedigung feststellen, dass dies bei unserem Projekt 100% der Fall ist. Unsere Unterstützung ist vollumfänglich eine Hilfe zur Selbsthilfe!

In den begonnenen Bemühungen der besseren Nutzung der Landwirtschaft und ihrer Produktion dürfen wir nicht nachlassen. Ich bin überzeugt, dass wir bei richtiger Pflege und einer fachmännischen Bewirtschaftung des verfügbaren Bodens beim Zentrum noch bedeutend mehr zur Selbstversorgung beitragen und für unsere Kinder eine ausreichende Ernährung sicherstellen können .

Als wir am Tage unserer Verabschiedung für die Kinder ein „feineres Essen mitfinanzierten“ und anschliessend jedem Kind ein kleines „Schoggi-Täfelchen“ austeilen liessen, war die Begeisterung fast „überbordend“. Und mit gekonnten tänzerischen und gesanglichen Darbietungen „übermittelten“ die Kinder ihr nachhaltiges, herzliches „Dankeschön“.

                                                          

Ausblick

Tief ergriffen vom Gesehenen und Erlebten im Zentrum St. Francis in Boma bin ich wieder in die Schweiz, unserem Land, das von Überfluss und Wohlstand geprägt ist, zurückgekehrt. Der Virus, mich für diese gute Sache noch mehr einzusetzen, hat mich gepackt...Ich bin mir sicher, dass wir mit unserem Projekt in Tansania auf dem richtigen Weg sind. Aber es gibt noch viel, ja unendlich viel zu tun... Heisst es dem Sinne nach nicht an einer Stelle in der Bibel: „Wer eines dieser armen Kinder aufnimmt, nimmt mich auf?“

An dieser Stelle ist es mir auch ein Bedürfnis allen Schwestern, Lehrkräften und Mitarbeiter/innen im Zentrum Boma für ihren uneigennützigen Einsatz herzlich zu danken. Ohne ihr selbstloses Engagement wäre dieses Projekt gar nicht möglich.

Aber nicht weniger danke ich allen grossen und kleinen Sponsors und Spendern für ihre Mithilfe bei dem Projekt der Stiftung „Karibu – Kinderhilfe“, nicht zuletzt auch meinen KollegInnen im Stiftungsrat für ihre grosse, umsichtige Arbeit für die behinderten Kinder im Zentrum.

Ich bin überzeugt, dass wir mit Gottes Segen und unseren begonnenen zielgerichteten Bemühungen in Zukunft noch viel zur Linderung von Armut und Elend in Tansania und zur Verbesserung in der Ausbildung unserer behinderten Kinder beitragen können.


Vilters im Juni 2010   Sepp Dietrich, Stiftungsrat                       



Verabschiedung: Auch blinde Kinder dürfen in der Theatergruppe mitmachen

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