KARIBU Kinderhilfe

Karibu

Interview mit Thomas Mark Massawe, Head Teacher (Oberlehrer) 2012 im Zentrum Boma


Sie haben sich um die Primarschule Zentrum Boma sehr verdient gemacht. Seit wann sind sie dort?

2002 liess ich mich mit 52 pensionieren, um im Einverständnis mit meiner Frau Sr. Benedicta auf deren Bitte hin beim Aufbau der Schule zu helfen. Ich lebte anfänglich mit 15 Kindern im Zentrum Boma, während Sr. Benedicta jeden Abend in ihre Gemeinschaft in Moshi zurückkehrte. Ich kann jetzt auf 10 Jahre Dienst in Boma zurückschauen und bin immer noch mit ganzer Seele dabei, obwohl ich es streng habe und praktisch nichts verdiene. Ich betrachtet diese Aufgabe als meine Berufung und tue es aus Liebe zu den Kindern. Meine Frau unterstützt mich voll: “Hilfe für die behinderten Kinder bringt Gottes Segen für die Familie.”


Rückblickend was würden Sie als Ihre schönsten und prägendsten Erlebnisse bezeichnen?

- Unterricht und Erziehungsarbeit mit den Kindern. Geographie, Geschichte und Handarbeit sind meine Lieblingsfächer, jetzt hat er aber als Oberlehrer mit rund 250 Kindern in Kindergarten und Primarschule mehr mit Planung und Verwaltung zu tun.

- Die gute Zusammenarbeit zwischen Schwestern, Lehrern und Kindern. Im Internatsbetrieb sind die Lehrer den ganzen Tag mit den Kindern. Alle helfen einander.

- Die Erfolge bei den behinderten Kindern und die guten Examenresultate.


Mussten Sie auch schlimme Erlebnisse verkraften?

Ja, leider. 2007 wurde ich von Massai, die mit ihrem Vieh ins Feld des Zentrums Boma eindrangen, überfallen und fast zu Tode geschlagen. Das Land gehört zwar der Schule, aber die Massai betrachten die ganze Gegend um Boma Ng'ombe herum als ihr Weidegebiet. Spannungen mit den Massai gibt es auch jetzt immer wieder, obwohl die Sicherheitslage dank der vielen Nachbarn und dank der vor einem Jahr realisierten Umzäunung viel besser geworden ist.

Einen regelrechten Schock bekam ich, als Unbekannte mir Schmiergeld anboten, um ein Albinokind vom Schulareal stehlen zu können.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit. Üben Sie ein Hobby aus? Ja, in einem Chor. Meine Frau und ich widmen uns am freien Wochenende dem Kirchengesang im Dorf.


Was haben Sie für Wünsche für die Kinder/Schule: Einmal einen Speisesaal für die 200 internen Kinder, der heutige ist viel zu klein. Dann eine Schulungswerkstatt für die Behinderten nach Abschluss der siebten Primarklasse, aber auch für jene, die nach der vierten Sekundarklasse zurückkommen. Ich freue mich dass dieser Wunsch nun durch die Stiftung Karibu-Kinderhilfe realisiert wird. Noch mehr Lehrerwohnungen auf dem Schulgelände. Zwei Gebäude hat Karibu Kinderhilfe bereits gebaut, was zu einer grossen Verbesserung der Situation der Lehrer geführt hat. Sie haben dort freie Logis und freies Essen. Die Lehrer, die ausserhalb wohnen, sind schlechter gestellt. Deshalb würde ich einen Fonds für die Absicherung der Lehrerlöhne begrüssen. Das Zentrum Boma kann nur sehr kleine Lehrerlöhne zahlen. Sie sind tiefer als in den öffentlichen Schulen.

Was wäre Ihr persönlicher Wunsch? Ein Motorrad, um mir den langen Arbeitsweg zu verkürzen, 3 km zu Fuss, 15 km im Bus, jeden Morgen und jeden Abend, fünf Tage jede Woche.


Ihre Erfahrung als Lehrer und Coach von Behinderten?

Wir Gesunde können viel lernen von den Behinderten. Sie beschenken uns reichlich.


Das Interview wurde am 15. März 2012 in Boma von Stiftungsrat Gandolf Wild geführt.

Lebenslauf von Thomas Massawe

1949 in Mashati-Rombo am Fuss des Kilimanjaro als drittes von sieben Kindern eines Kleinbauern und Kaffeepflanzers geboren, besuchte er die lokale Primarschule. Mit fast 20 schickten ihn die Eltern nach Kampala in Uganda in eine Sekundarschule, wo auch sein Bruder studierte. Im dritten Jahr wurde sein Studium jäh unterbrochen als am 25. Januar 1971 Idi Amin die Regierung Obote stürzte. Nach Monaten der Unsicherheit kehrten die tansanischen Schüler ohne Abschluss in ihre Heimat zurück. Thomas unterrichtete als Hilfslehrer in der Hauswirtschaftsschule von Mashati, bis er ein Lehrerseminar für Primarlehrer besuchen konnte.


Am 1. November 1976 bekam er seine erste Anstellung im Sia Distrikt, Sanya, West Kilimanjaro. 25 Jahre lang unterrichtete er dann an verschiedenen Schulen, immer im gleichen Distrikt, viele Jahre als Headmaster (Oberlehrer). 1979 heiratete er Edna, auch Lehrerin und Tochter einer lokalen protestantischen Familie. Sie erwarben sich bei Sanya ein Stück Land, bauten ein Haus und hatten 5 Kinder, 3 Buben und 2 Mädchen. Die jüngsten beiden sind noch in den letzten Klassen der Secondary School, drei stehen im Berufsleben, zwei mit Uni-Abschluss.

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Head Teacher Thomas Massawe mit Stiftungsrätin Vreni Kümin an der Abschlussfeier der Primarschule (2012)

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