KARIBU Kinderhilfe

Karibu

Gespräch mit dem blinden Lehrer Abraham Marima (Zentrum Boma) im Oktober 2009


In welchen Fächern unterrichten Sie? Mein Hauptfach ist Civics (Staatsbürgerkunde), daneben vermittle ich den Kindern auch die englische Sprache.

Zwischen 16.00 und 18.00 Uhr korrigiere ich Schularbeiten und betreue die 20 Vollblinden im Heim. Diese Aufgabe fordert mich stark. Ich lese auch gern, habe aber nur wenig Bücher zur Verfügung.


Warum sind Sie im Zentrum Boma und was gefällt Ihnen hier? Es ist die einzige Möglichkeit im Distrikt als blinder Lehrer zu arbeiten. Leider bin ich in meiner Tätigkeit stark eingeschränkt, da fast keine Lehrmittel für Blinde zur Verfügung stehen.


Wo hapert es denn? An allen Ecken und Enden. Es stehen uns nur 2 Braille-Schreibmaschinen für Blinde zur Verfügung . Wir sollten 15 bis 20 haben. Ich weiss, dass sie teuer sind. Bücher in Blindenschrift und CDs fehlen, eine Lehrer-Bibliothek für Blinde wäre wunderbar. Wir haben keine CD  Players.


So besteht wohl auch wenig Möglichkeit für eine persönliche Weiterbildung?

Ja, leider. In der Stadt Moshi hat es ebenfalls keine Bücher in Blindenschrift. In den Schulferien Juni und Dezember bleibe ich meistens im Zentrum Boma, da es im Häuschen meiner Mutter sehr eng ist.


Haben Sie ein Hobby? Ich besitze ein kleines Radio, höre gerne die News und Musik (Gospel und Tansanische Volksmusik). Ich lese auch gerne, wenn ich ein Buch erhalte.


Was essen Sie am liebsten? Bananen, aber auch Ugali (hartgekochter Mais) oder Reis.


Wo stehen Sie in 10 Jahren? Ich möchte meinen Lehrerberuf besser ausüben, den blinden Kindern mehr bieten können, durch zielgerichtete Lehr- und Lernhilfen. Auch für meine Mutter und die Geschwister möchte ich mehr sorgen können. Bei meiner heutigen Entlohnung ist das nicht möglich. Ich verdiene im Monat 140‘000 Tansania-Schilling (ca. Fr. 110.--). Das Geld wird vom Erziehungsministerium direkt auf mein Bankkonto einbezahlt. Ich helfe damit meiner Familie. Für Essen und Unterkunft im Zentrum Boma bezahle ich nichts.


Denken Sie ans Heiraten? Ich kenne eine junge Frau, die ich heiraten möchte, bin dafür aber noch nicht bereit. Wenn ich das Geld hätte, würde ich mir in Boma Ng’ombe ein Haus bauen. Das Land allein kostet Fr. 1500-2500.--,der Bau des Hauses Fr. 12-18000.--. Mit Fr. 90.-- könnte ich mein Zimmer  möblieren.


Lehrer Abrahams Werdegang    


37-jährig, von Sango bei Moshi,

7 jüngere Geschwister, Vater starb 1983, als Abraham 11 Jahre alt war. Die Mutter besitzt ein kleines Häuschen auf dem Land mit 3 Zimmern, lebt allein mit einigen Grosskindern von der Gartenbewirtschaftung. Abraham verlor mit acht Jahren sein Augenlicht (Katarakt).

Ausbildung: Dank der Initiative seines Onkels, der Lehrer war, kam er ins 1500 km entfernten Mbeya, wo er in der Spezialschule Katumba die ersten drei Jahre der Grundschule absolvierte. Dann wechselte er nach Dar es Salaam an die Uhuru Spezialschule. Die vier Jahre Sekundarschule besuchte er in Mpwapwa mit sieben andern blinden Kindern. In einer Normalklasse, im Teachers‘ College Patandi in Tengeru bei Arusha schloss er im Jahr 2000 die Grade I Lehrerausbildung ab. Fand keine Stelle; 2000 bis 2004 arbeitslos; ab 2005 Lehrer im Zentrum Boma.


Nachwort: Inzwischen hat Abraham eine Lehrerin, die im Zentrum Boma unterrichtet, geheirat und sie haben eine kleine Tochter.


Zurück zum Projekt ZENTRUM BOMA