Reisebericht Tansania / September 2008


Gandolf Wild und ich trafen uns am 15. September 2008  in Nairobi am Flughafen. Er reiste von Abu Dhabi an, wo er das Sekretariat des Bischofs Paul Hinder leitet und sich auch für die rechtlosen und z.T. ausgebeuteten christlichen Fremdarbeiter in diesem reichen Emirat engagiert. Frühmorgens startete der Dar Express (Autobus) im Zentrum von Nairobi. Die Fahrt zur Tansanischen Grenze war sehr ruppig, eine Baustelle löste die andere ab. Speziell um Nairobi werden die Strassen ausgebaut und geteert um dem zunehmenden, bereits gewaltigen Lastwagenverkehr zwischen dem Hafen von Mombasa und den Erzvorkommen in Uganda, Sambia und im Kongo besser zu bewältigen.

Nach den Vororten von Nairobi Richtung Süden herrschte nur noch wenig Verkehr. Die Grenzkontrolle (Visum) beanspruchte ca. 20 Minuten. Über Arusha trafen wir bereits am Mittag in Moshi ein, wo wir Quartier bezogen. Im Gästehaus der Huruma Sisters waren wir bestens untergebracht. Es liegt neben dem Keys Hotel, wo wir abends gelegentlich einen gemütlichen Schlummertrunk genehmigten.


Im Waisenheim in Boma N’gombe wurde uns ein grosser Empfang bereitet. Die Kinder waren im Hof versammelt. Sie hatten einige Lieder vorbereitet und sangen zu unseren Ehren. Es war rührend und ging auch unter die Haut. Die vielen invaliden Kinder! So die  Albinos mit ihren roten, flimmernden Augen. Wegen fehlender Pigmente müssen sie ständig einen Kopfschutz tragen. Auffallen tun auch die blinden Kinder. Sie erwecken besonders Mitleid. Die Taubstummen fallen auf den ersten Blick weniger auf.

Der geistig und körperlich behinderte Coni hat seit unserem letzten Besuch vor einem Jahr kleinere Fortschritte gemacht.. Er lächelte zwischendurch auch einmal. Er ist voll auf die Liebe und das Verständnis der Schwestern und seiner „Gspänli“ angewiesen.

In den Klassen wurde eifrig Unterricht erteilt. Dies ist bei den diversen Behinderungen der Schüler und Lehrer nicht leicht. Bis drei Lehrer sind an einer Lektion beteiligt. In Boma erhalten auch sehbehinderte und taubstumme Lehrer eine Chance. Von 15 Lehrern sind 9 behindert. Sie wissen, wie man mit behinderten Schülern umgeht, sie fördert, ihnen Lehrstoff vermittelt.

Am Mittag gab es wegen unseres Besuchs ein reichhaltigeres Essen für die Kinder. Wir hatten eine grosse Ladung (weisses) Brot eingekauft. Im Heim gibt es sehr selten Brot (vgl. Essplan). Es entspricht Kuchen, auf unsere europäischen Verhältnisse bezogen. Auch Fleisch oder frische Milch gibt es nur in Ausnahmefällen.


Anschliessend begann unsere Arbeit: Rundgang durch das Areal, Inspektion der Bauten, speziell der Um- und Neubauten, Schulbesuche im Kindergarten und in den Primarklassen, Durchleuchten der Administration, der Organisation, der Finanzen etc. Nach vier Tagen Studium der verschiedenen Aspekte der Organisation und Betriebsführung konnten wir uns ein gutes Bild machen und im Gesprüch mit der Leitung und den Verantwortlichen der Kongregation auch auf einige Schwachstellen hinweisen und Verbesserungsvorschläge in die Wege leiten Wir stellten fest, dass das Zentrum wie auch die Schule gut geführt sind. Es herrscht eine professionelle Kompetenz und ein Geist von Liebe, Verständnis und Hilfsbereitschaft.

Um von der Stadt Moshi zum Huruma Spital zu gelangen, geht die Fahrt ostwärts, zuerst auf asphaltierter Strasse, dann hinauf in die dem Kilimanjaro vorgelagerte Hügellandschaft. Hier ist es vorbei mit Fahrkomfort. Man fährt auf einer Naturstrasse aus rötlicher Erde, die durch das Auto zu einer riesigen Staubwolke aufgewirbelt wird. Ein weiteres Ungemach sind Schlaglöcher, die nicht immer gut sichtbar sind. So wurde ich ohne Vorwarnung brutal an die Decke geschleudert, denn auf den hinteren Sitzen eines Landcruisers gibt es keine Sicherheitsgurten. Mein Kopf schlug an die offene Lampenfassung der Decke. Resultat eine offene blutende Kopfhaut.


Im Huruma Spital wurden Gandolf Wild und ich herzlich von der Spitalleitung empfangen. Das Spital ist sehr gut geführt  und es hat sich seit unserem letzten Besuch vor einem Jahr nicht viel verändert. Eine lange Schlange von Patienten versammelt sich um 14.00 Uhr zur ambulanten Visitation. Geschnatter und Lärm sind gross. Der Chefarzt Dr. Kyejo hat frei genommen, um uns durch das Spital zu führen und uns ein Interview zu geben. Er ist begeistert über unsere letztjährige Spende, den Coagulator (ein Blutstillungsapparat für Operationen), über die 4 Notleuchten für die Operationssäle und die bezahlten Operationen. Wir diskutierten mit ihm und der Spitalleitung über weitere dringend benötigte Apparaturen, speziell natürlich im Bereich der Kinder. Prioritär finden sie ein Electrolite Analyser (Diagnose Apparat), ein Calorimeter und ein Infusomat.


An einem stärkeren Stand-by-Generator sind sie weiterhin sehr interessiert. Probleme bereitet das Generatoren-Häuschen, welches leider sehr ungünstig in der Nähe eines Patiententrakts liegt. Wenn Notstrom benötigt wird, was häufig vorkommt, so führt das zu Lärm- und Abgasimmissionen. KARIBU-Kinderhilfe hat sich in der Schweiz intensiv nach einem geeigneten Notstrom-Generator umgesehen. Wir sind dank Beziehungen von Hans Regli fündig geworden. Bei der Engadiner Kraftwerke AG wird ein alter Generator durch einen neuen ersetzt, dasselbe in einem Luzerner Altersheim. Beide Anlagen sind in einem guten Zustand, genügen aber den neuen Schweizer- und EU-Richtlinien nicht mehr. Wir sind zuversichtlich, dass wir im nächsten Jahr für das Huruma-Spital eine Lösung finden werden.   




Gandolf Wild wirkte viele Jahre als Lehrer und Rektor am Gymnasium in Maua, auf rund 1700 m, an den südlichen Ausläufern des Kilimanjaro, eine liebliche, fruchtbare Hügellandschaft. Da wir an einem Sonntag die Fahrdienste der Schwestern nicht beanspruchen wollten, begaben wir uns zum Busterminal in Moshi, wo wir Platz in einem Kleinbus nach Maua bekamen. Es wurde aber nicht abgefahren, bevor der Bus voll war. Unterwegs kamen noch mehr Leute dazu. Es wurde „gestopft“. Schliesslich befanden sich 32 Personen im Kleinbus statt der zugelassenen 18. Trotzdem machten alle einen zufriedenen Eindruck.

In Maua war Gandolf immer noch bestens bekannt, wurde von der Bevölkerung unterwegs herzlich begrüsst und zu einem Schwatz eingeladen. Im Seminar und im Kloster sind nur noch zwei weisse Brüder (Schweizer) anzutreffen. Mit einem davon, dem Thurgauer Pater Donat unternahm ich eine Wanderung durch die intensiv bebauten Gärten und Bananenhaine. Weiter oben gelangten wir zu einem offenen Gelände. Hier hat die Regierung auf Betreiben des Schweizer Kapuziners Ladislaus Siegwart eine Schutzzone eingerichtet, die weder genutzt noch bewohnt werden darf. Es sind auch Aufforstungen gemacht worden, um die Quellen zu schützen. Das Wasser in den Bächen ist hier noch sauber und glasklar.


Unsere letzte Station unseres recht kurzen Tansania Aufenthaltes war Kwangulelo, ein Vorort von Arusha. Eugen Bucher, Pfarreivorsteher dieser grossen Pfarrei holte uns im Heim Boma ab. Vorher organisierten wir für ihn eine Besichtigung im Heim und in der Schule. Br. Eugen wird als verlängerter Arm der KARIBU-Kinderhilfe Stiftung für das Center Boma figurieren. Er lebt seit langen Jahren in Tansania, spricht fliessend Suaheli. Er kennt sich in Baufragen aus, hat er doch schon verschiedene Gebäude im Land realisiert, so ein Pfarreizentrum in Kwangulelo, das auch Gästen (z.B. aus der Schweiz) eine gastliche Unterkunft bietet.


Am letzten Tag wollten wir noch einen Tierpark besuchen, im Sinne eines Kontrastprogrammes. Der Arusha National Park erstreckt sich über die Hügellandschaft und die Hänge des Mount Meru. Wir sind überrascht von der Schönheit dieses Parks. In erloschenen Kratern tummelt sich eine Vielzahl von Giraffen auf saftigen Wiesen. Sie lassen uns recht nahe heran. Die Büffel sind schon gefährlicher. Daneben gibt es auch Gazellen, Wasserböcke, Zebras, Affen und viele Vögel. Besonders schöne Vögel (Flamingos etc.) sind in und um die Momella-Seen anzutreffen. Selbst Flusspferde tummeln sich da und zwei Krokodile glotzten uns an. Knapp ausserhalb des Parks liegt die Momella Lodge. Hier wurde der Film „Hatari“ mit John Wayne und Hardy Krüger gedreht. Er zeigt verrückte Tierfangszenen. Mit Geländefahrzeugen und Schlingen an Stangen wurden in rasender Fahrt Giraffen und andere Tiere gefangen. Der Esssaal der Lodge -“John Wayne’s Dining Room“- ist bemalt mit Bildern vom Film. Die Lodge gehört Hardy Krüger. Er kann nicht mehr hierher kommen, denn er ist an den Rollstuhl gebunden.


Am Nachmittag fuhren wir durch einen kleinen Fluss in den höheren Teil des Parks in Richtung Mount Meru. Dort trafen wir auf einen Baum, durch dessen Stamm sich ein Lastwagen durchzwängen könnte. Diese Art Feigenbaum ist botanisch sehr interessant. Die Samen werden von Vögeln in Asthöhlen eines beliebigen Baumes deponiert. Sie treiben aus, die Wurzeln wachsen nach unten bis zum Boden und verankern sich dort. Mit den Jahren werden sie dick und bedrängen den Gastbaum von allen Seiten, bis sie ihn schliesslich erwürgen, d.h. er stirbt ab. Die verschiedenen Austriebe des Feigenbaumes wachsen zu einem riesigen Stamm zusammen.


Der Arusha Park  bleibt uns in bester Erinnerung.

Am andern Tag ging es per Kleinbus zurück zur kenyanischen Grenze und von da zum Flughafen Nairobi.


Bericht von Guido Kümin


Br. Gandolf Wild und

Br. Isidor Peterhans in Nairobi

Ein moderner Bus der

Dar Express-Gesellschaft

Das Guesthouse (links)

Kilimanjaro (5900 m) von Moshi aus

Kibo-Hütte (letzte Hütte vor dem Gipfel)                               Foto GK 1985

Massai-Ebene östlich von Moshi. Die Wasserzapfstelle ist ausser Betrieb.

Naturstrasse auf dem Weg zum Huruma-Spital

Auch ein Velo kann

ein Transportmittel sein

Massai-Savanne. Unser Blick richtet sich von der Kilimanjaro-Region in Richtung Süden.

Tansanische Kapuziner in Maua:

Die Kirche ist bunter geworden, fast alle Europäer haben sich zurückgezogen

Aufforstung oberhalb Maua auf rund 2000 m Höhe

Kleiner Wasserfall oberhalb Maua

Das letzte Abendmahl. Kunstvolle Schnitzerei in Sanya Juu

Feigenbaum-Lianen lancieren die Erwürgung des Gastbaumes

Riesen-Feigenbaum im Arusha National Park

Der grosse Momella See

John Wayne’s Dining Room in der Momella Lodge

Eingangstafel zum

Arusha National Park

Das vorbildliche Pfarreizentrum

des Kapuzinerpaters Eugen Bucher

Fruchtbare Vegetation in der Hügel-landschaft rund um den Kilimanjaro

Diesen Abend sind wir zu Besuch bei einer tansanischen Familie in Moshi. Lucy und Evarist Mallya haben 6 Kinder. Sie ist eine tüchtige Lehrerin, er ein arbeitsloser Sanitärmonteur. Drei Kinder besuchen noch die Schule. Die Eltern sind kaum mehr in der Lage das Schulgeld zu bezahlen. Sie müssen ihre Ausgaben auf das Lebensnotwendigste beschränken. Die Familie (inkl. eine verheiratete Tochter mit 4 Kindern) empfangen uns bei Kerzenlicht. Kein Elektrisch! Damit sie uns zu einem bescheidenen Mahl mit Getränk einladen können, haben wir der Tochter einen entsprechenden Betrag „gespendet“.

An einem andern Tag besuchen wir Peter Shayo. Er besuchte bei Gandolf die Secondary School in Maua.  Später bildete er sich zum Elektriker weiter. Dank Fleiss und Intelligenz hat er es zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht.  Er renoviert Auto-Occasionen und bringt sie wieder in Schwung. Er hat ausserhalb Moshi ein Stück Land gekauft, worauf er ein Werkstattgebäude erstellen will. Seine Frau und er haben nur drei Kinder. Damit liegen sie unterhalb einer „Normalfamilie“ mit 6-7 Kindern.

Die Menschen hier sind überall freundlich und fröhlich, vor allem natürlich, wenn man sich kennt.

Peter Shao und Familie

Lucy und Evarist Mallya

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